Liquiditätsplanung Tools im Vergleich: Vor- und Nachteile der gängigsten Lösungen
- Benjamin

- 29. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Wer sein Unternehmen solide steuern will, kommt an einer Liquiditätsplanung nicht vorbei. Doch so wichtig das Thema ist – die Frage, welches Tool dafür das richtige ist, wird oft unterschätzt. Zu früh auf ein komplexes System gesetzt, zu lange bei einer Excel-Tabelle geblieben oder die falsche Software gewählt: All das kostet Zeit und Geld, die du besser in dein Kerngeschäft investierst.
In diesem Artikel erfährst du:
Welche Tool-Kategorien es für die Liquiditätsplanung gibt
Was die Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen sind
Welches Tool zu deiner Unternehmenssituation passt
Warum Liquiditätsplanung überhaupt ein Tool braucht
Eine Liquiditätsplanung zeigt dir, wann Geld rein- und rausgeht – nicht nur heute, sondern in den nächsten Wochen und Monaten. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber komplex: Eingangsrechnungen, Gehälter, Steuerzahlungen, Investitionen und unregelmäßige Einnahmen müssen alle berücksichtigt werden.
Ein gutes Tool für die Liquiditätsplanung sollte drei Dinge leisten: aktuelle Daten liefern, Szenarien ermöglichen und sich möglichst nahtlos in deine bestehenden Prozesse integrieren. Je nachdem, wie dein Unternehmen aufgestellt ist, sind das unterschiedliche Anforderungen – und damit unterschiedliche Tool-Entscheidungen.
Die gängigsten Tools im Überblick
Für die Liquiditätsplanung gibt es im Wesentlichen drei Kategorien: Excel, spezialisierte SaaS-Tools wie Agicap oder Commitly, und ERP- bzw. Buchhaltungssoftware mit integrierten Planungsfunktionen. Jede Kategorie hat ihre eigene Logik – und ihre eigenen Grenzen.
| Excel | Agicap | Commitly | Finway | ERP mit Liquiditätsfunktion |
Preis | Kostenlos / gering | Hoch | Mittel | Mittel | Hoch |
Automati-sierung | Keine | Hoch | Mittel–Hoch | Mittel | Mittel |
Bankan-bindung | Nein | Ja | Ja | Ja | Teilweise |
Szenarien-planung | Manuell | Ja | Ja | Begrenzt | Begrenzt |
Integration Buchhaltung | Manuell | Ja | Ja | Ja | Ja – nativ |
Einarbeitungsaufwand | Gering | Mittel–Hoch | Mittel | Mittel | Hoch |
Skalierbar-keit | Gering | Hoch | Mittel | Mittel | Hoch |
Empfohlen für | Sehr kleine Unternehmen & Einstieg | WachsendeKMUs mit komplexen Anforderungen | KMUs die eine zugängliche Lösung suchen | KMUs die Planung & Ausgaben kombinieren wollen | Unternehmen die ohnehin ein ERP nutzen |
Excel
Excel ist der klassische Einstieg in die Liquiditätsplanung. Fast jedes Unternehmen fängt hier an – und das aus gutem Grund.
Vorteile
Flexibel und vollständig anpassbar an die eigenen Bedürfnisse
Keine zusätzlichen Kosten, da meist ohnehin vorhanden
Bekannte Oberfläche, kein Einarbeitungsaufwand
Gut geeignet für einfache, überschaubare Planungen
Nachteile
Hoher manueller Aufwand: Daten müssen regelmäßig von Hand aktualisiert werden
Fehleranfällig – besonders bei wachsender Komplexität und mehreren Nutzern
Keine automatische Anbindung an Bankkonten oder Buchhaltungssoftware
Skaliert schlecht: Ab einer gewissen Unternehmensgröße wird die Tabelle unhandlich
Keine Echtzeit-Daten, kein automatischer Abgleich mit dem Ist-Zustand
Excel ist ein guter Startpunkt – aber spätestens wenn das Unternehmen wächst und die Planung komplexer wird, stößt es schnell an seine Grenzen.
Spezialisierte Liquiditätsplanungs-Tools
In den letzten Jahren sind spezialisierte SaaS-Tools entstanden, die genau für die Anforderungen der Liquiditätsplanung entwickelt wurden. Die bekanntesten im deutschsprachigen Raum sind Agicap, Commitly und Finway.
Vorteile
Automatische Bankanbindung: Kontobewegungen werden in Echtzeit eingelesen
Szenarienplanung: Best Case, Worst Case und weitere Szenarien lassen sich einfach durchspielen
Übersichtliche Dashboards, die auch ohne Buchhaltungskenntnisse verständlich sind
Integration mit gängigen Buchhaltungstools möglich
Deutlich weniger manueller Aufwand als bei Excel
Nachteile
Laufende Kosten: SaaS-Tools sind mit monatlichen Gebühren verbunden, die je nach Anbieter und Funktionsumfang variieren
Einarbeitungsaufwand: Die initiale Einrichtung und das Onboarding kosten Zeit
Abhängigkeit vom Anbieter: Bei Preisänderungen oder Produkteinstellungen ist ein Wechsel aufwendig
Für sehr kleine Unternehmen mit geringem Belegvolumen oft überdimensioniert
Kurzprofile der wichtigsten Tools

Agicap ist besonders stark bei der Echtzeit-Cashflow-Übersicht und der Bankanbindung. Richtet sich eher an wachsende KMUs und Unternehmen mit komplexeren Anforderungen. Entsprechend liegt auch der Preis im höheren Segment.
Commitly positioniert sich als zugänglichere und günstigere Alternative zu Agicap – mit einem klaren Fokus auf Liquiditätsplanung für KMUs. Die Einrichtung ist schneller, der Funktionsumfang etwas schlanker.
Finway kombiniert Liquiditätsplanung mit Ausgabenmanagement und Rechnungsfreigabe – interessant für Unternehmen, die beides in einem Tool abbilden wollen.
ERP- und Buchhaltungssoftware mit Liquiditätsfunktion
Viele ERP-Systeme und Buchhaltungstools bieten mittlerweile auch Funktionen für die Liquiditätsplanung an – entweder nativ oder über Erweiterungen.
Vorteile
Alles aus einer Hand: Buchhaltung, Reporting und Planung in einem System
Keine Doppelerfassung, da Buchhaltungsdaten direkt für die Planung genutzt werden
Für Unternehmen, die ohnehin ein ERP nutzen, oft die naheliegendste Lösung
Nachteile
Die Planungsfunktionen sind häufig weniger ausgereift als bei spezialisierten Tools
Hohe Kosten und Implementierungsaufwand, besonders bei größeren ERP-Systemen
Weniger flexibel bei der Szenarienplanung
Für kleinere Unternehmen oft überdimensioniert
Welches Tool passt zu dir?
Die Wahl des richtigen Tools hängt von deiner Unternehmensgröße, deinem Planungshorizont und deinem Budget ab. Als grobe Orientierung:
[GRAFIK: Tool-Empfehlung nach Unternehmenssituation]
Häufige Fehler bei der Tool-Wahl
Zu früh zu komplex
Ein spezialisiertes SaaS-Tool macht nur Sinn, wenn die Grundlagen stimmen – also eine saubere Buchhaltung und ein klares Verständnis der eigenen Cashflows. Wer das noch nicht hat, verliert sich im Tool statt in der Planung.
Zu lange bei Excel
Viele Unternehmen halten zu lang an Excel fest, obwohl das Belegvolumen und die Komplexität längst gewachsen sind. Der Wechsel wird dann aufwendiger als nötig – und wertvolle Planungszeit geht verloren.
Fehlende Integration mit der Buchhaltung
Ein Liquiditätsplanungs-Tool, das nicht mit der Buchhaltung verbunden ist, arbeitet mit veralteten oder unvollständigen Daten. Die Integration ist kein nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung für belastbare Planungsergebnisse.
Tool gewählt, Prozess vergessen
Das beste Tool hilft nichts, wenn keine klaren Prozesse dahinterstehen – wer pflegt die Daten, wann wird die Planung aktualisiert, wer interpretiert die Ergebnisse? Die Tool-Wahl ist nur ein Teil der Lösung.
Fazit
Für die Liquiditätsplanung gibt es kein universell richtiges Tool – es gibt nur das Tool, das zur aktuellen Situation deines Unternehmens passt. Excel ist ein guter Startpunkt, stößt aber schnell an Grenzen. Spezialisierte SaaS-Tools bieten mehr Automatisierung und Tiefe, kosten aber auch mehr. ERP-Lösungen machen Sinn, wenn ohnehin ein größeres System im Einsatz ist.
Entscheidend ist nicht das Tool allein, sondern die Kombination aus sauberer Buchhaltung, klaren Prozessen und einer Planung, die regelmäßig aktualisiert wird.
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