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Kennzahlen für Dienstleister: Die 8 wichtigsten KPIs im Projektgeschäft

  • Autorenbild: Benjamin
    Benjamin
  • 17. Juni
  • 6 Min. Lesezeit
Zwei Personen in einem Büro diskutieren mit Laptops. Schwarz-weiß, modernes Ambiente, Fokus auf Zusammenarbeit und Technologie.

Ob Beratung, Agentur, IT-Dienstleister oder klassisches Projektgeschäft – wer auf Basis von Stunden, Tagessätzen oder Projekten abrechnet, braucht andere Kennzahlen als ein SaaS-Unternehmen oder ein Online-Shop. Wiederkehrende Abonnementumsätze gibt es hier nicht. Stattdessen bestimmen Auslastung, Projektmargen und der Aufbau von Bestandskundenbeziehungen darüber, ob ein Unternehmen profitabel wächst oder im operativen Hamsterrad stecken bleibt.


In diesem Artikel stellen wir dir die acht wichtigsten Kennzahlen für Dienstleister und Projektgeschäft vor – mit Formeln, Datenquellen und konkreten Beispielen. Und wir zeigen dir, welche Datengrundlage du brauchst, damit diese KPIs auch wirklich belastbar sind.


In diesem Artikel erfährst du:


  • Welche 8 Kennzahlen für Dienstleister und Projektgeschäft wirklich entscheidend sind

  • Wie du sie berechnest und wo du die Daten dafür findest

  • Wie du aus diesen KPIs ein zusammenhängendes Steuerungssystem aufbaust


Utilization Rate


Die Utilization Rate ist die Grundlage der Steuerung im Dienstleistungsgeschäft. Sie zeigt dir, wie viel deiner verfügbaren Kapazität tatsächlich in Umsatz umgewandelt wird – und wo Potenzial verloren geht.


Definition und Berechnung


Die Utilization Rate misst, welcher Anteil der verfügbaren Arbeitszeit tatsächlich fakturierbar ist – also direkt einem Kundenprojekt zugeordnet werden kann. Interne Meetings, Akquise, Weiterbildung oder administrative Aufgaben zählen typischerweise nicht als fakturierbare Zeit.


Blauer Text "Utilization Rate" mit Formel: Fakturierbare Stunden / Verfügbare Arbeitsstunden x 100. Weißer Hintergrund.

Die verfügbaren Arbeitsstunden entsprechen der vertraglich geregelten Arbeitszeit abzüglich Urlaub und Feiertagen.


Datenquellen


Ein Zeiterfassungssystem (z. B. awork, Clockodo oder Toggl), in dem Mitarbeitende ihre Stunden auf interne und externe Projekte buchen.


Beispielrechnung


Ein Berater arbeitet im Monat 160 Stunden. Davon sind 112 Stunden auf Kundenprojekte gebucht.


Utilization Rate = 112 / 160 × 100 = 70 %


Eine Utilization Rate von 70 % gilt im Beratungsumfeld häufig als Zielgröße. Liegt sie dauerhaft darunter, verliert das Unternehmen Umsatzpotenzial. Liegt sie dauerhaft darüber, droht Überlastung und Qualitätsverlust.


Billable Rate / Effektiver Stundensatz


Der effektive Stundensatz ist eine der aufschlussreichsten Kennzahlen im Projektgeschäft – und gleichzeitig eine, die viele Dienstleister nicht konsequent verfolgen. Dabei zeigt sie oft sehr schnell, wo Marge verloren geht.


Definition und Berechnung


Während der Listenpreis oder der vereinbarte Tagessatz den theoretischen Stundensatz angibt, zeigt der effektive Stundensatz, was tatsächlich je geleisteter Stunde eingenommen wird. Die Kennzahl berücksichtigt Rabatte, Pauschalpreise, Nachverhandlungen sowie nicht fakturierte Überstunden.


Text mit blauer Schrift: Effektiver Stundensatz =, darüber und darunter schwarze Schrift: Tatsächlich fakturierter Umsatz/Tatsächlich geleistete Stunden.

Datenquellen


Der fakturierte Umsatz kommt aus der Buchhaltungssoftware. Die geleisteten Stunden liefert das Zeiterfassungssystem – im besten Fall auf Projektebene aufgeschlüsselt. Eine sauber strukturierte Buchhaltung mit Projektbezug ist die Voraussetzung dafür, dass diese Kennzahl belastbar ist.


Beispielrechnung


Ein Projekt wird pauschal mit 20.000 Euro abgerechnet. Das Team hat dafür insgesamt 160 Stunden gearbeitet.


Effektiver Stundensatz = 20.000 Euro / 160 Stunden = 125 Euro/Stunde


Liegt der Listenpreis bei 150 Euro/Stunde, arbeitet das Unternehmen effektiv mit einem Rabatt von rund 17 %. Solche Abweichungen summieren sich über viele Projekte erheblich und sollten regelmäßig analysiert werden.


Project Margin


Die Projektmarge ist die entscheidende Kennzahl, um die Profitabilität einzelner Projekte zu beurteilen. Ein Projekt mit hohem Umsatz kann trotzdem unprofitabel sein – und ohne diese Kennzahl merkst du es oft zu spät.


Definition und Berechnung


Die Project Margin gibt an, wie viel vom Projektumsatz nach Abzug der direkt zurechenbaren Kosten übrig bleibt. Direkte Projektkosten umfassen typischerweise Personalkosten der eingesetzten Mitarbeitenden (anteilig), Fremdleistungen, Reisekosten sowie projektspezifische Materialien.


Formel zur Berechnung der Projektrendite: (Projektumsatz - Direkte Projektkosten) / Projektumsatz x 100. Text in Schwarz und Lila.

Datenquellen


Projektumsatz und direkte Kosten werden aus der Projektbuchhaltung oder dem ERP-System entnommen. Wichtig ist, dass Personalkosten anteilig auf Basis der gebuchten Stunden und der internen Kostensätze zugeordnet werden – nicht der Listenpreise.


Beispielrechnung


Ein Projekt generiert einen Umsatz von 30.000 Euro. Die direkt zurechenbaren Kosten betragen:


  • Personalkosten (anteilig): 16.000 Euro

  • Subunternehmer: 4.000 Euro

  • Reisekosten: 500 Euro

  • Gesamt direkte Kosten: 20.500 Euro


Project Margin = ((30.000 − 20.500) / 30.000) × 100 = 31,7 %


Je nach Branche und Geschäftsmodell gelten Projektmargen zwischen 25 % und 40 % als solide. Margen unter 20 % sollten genauer analysiert werden.


Revenue per Employee (RPE)


Der RPE macht sichtbar, wie produktiv dein Unternehmen seine wichtigste Ressource einsetzt – die Menschen im Team. Er ist besonders nützlich, um Effizienzentwicklungen über die Zeit zu verfolgen.


Definition und Berechnung


Der Revenue per Employee misst den durchschnittlichen Umsatz, den das Unternehmen pro Vollzeitstelle (FTE) erwirtschaftet. Im Dienstleistungsgeschäft ist die menschliche Arbeitskraft die wichtigste Ressource – und gleichzeitig der größte Kostenfaktor.


Textgrafik mit der Formel: RPE = Gesamtrumsatz geteilt durch Anzahl der Vollzeitstellen. Lila Linie trennt Zähler und Nenner.

Datenquellen


Der Gesamtumsatz stammt aus der Buchhaltung. Die Anzahl der FTE wird aus dem HR-System entnommen. Teilzeitkräfte werden anteilig erfasst – eine 50-%-Stelle entspricht 0,5 FTE.


Beispielrechnung


Ein Beratungsunternehmen erzielt einen Jahresumsatz von 2.000.000 Euro und beschäftigt 10 Vollzeitstellen.


RPE = 2.000.000 Euro / 10 FTE = 200.000 Euro pro FTE


Wächst der Umsatz schneller als die Mitarbeiterzahl, steigt der RPE – ein Zeichen für zunehmende Effizienz. Sinkt er hingegen, deutet das auf Überkapazitäten oder sinkende Auslastung hin.


Customer Acquisition Cost (CAC)


Im Projektgeschäft ist der CAC oft deutlich höher als in anderen Geschäftsmodellen – und das ist nicht per se ein Problem. Entscheidend ist das Verhältnis zum Wert der gewonnenen Kundenbeziehung.


Definition und Berechnung


Der CAC misst, wie viel ein Unternehmen durchschnittlich ausgibt, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Die grundlegende Berechnung – Vertriebs- und Marketingkosten geteilt durch die Anzahl neu gewonnener Kunden – ist identisch mit der im SaaS-Bereich. Ausführliche Erläuterungen findest du in unserem Artikel zu B2B SaaS Kennzahlen.


Im Projektgeschäft gilt es jedoch eine Besonderheit zu beachten: Sales-Zyklen sind oft deutlich länger, und Angebote sowie Ausschreibungen binden erhebliche interne Ressourcen. Diese Aufwände – Stunden für Angebotserstellung, Präsentationen, Pilotprojekte – sollten in die CAC-Berechnung einfließen.


Beispielrechnung


Ein IT-Dienstleister gibt im Quartal 30.000 Euro für Vertrieb und Marketing aus und gewinnt dabei 2 neue Kunden.


CAC = 30.000 Euro / 2 = 15.000 Euro


Im Projektgeschäft ist ein hoher CAC tolerierbar, wenn die Projekte entsprechend groß und die Kundenbeziehungen langfristig sind. Entscheidend ist das Verhältnis zum Customer Lifetime Value.


Repeat Business Rate


Eine hohe Repeat Business Rate ist eines der stärksten Signale für ein gesundes Dienstleistungsunternehmen. Folgeaufträge entstehen mit deutlich weniger Aufwand als Neugeschäft – und sind oft profitabler.


Definition und Berechnung


Die Repeat Business Rate misst, welcher Anteil des Umsatzes auf Bestandskunden entfällt – also auf Kunden, mit denen bereits mindestens ein abgeschlossenes Projekt existiert. Neukundenakquise ist teuer und zeitaufwendig, während Folgeaufträge mit geringerem Vertriebsaufwand realisiert werden können.


Formelbild: "Repeat Business Rate = Umsatz mit Bestandskunden / Gesamtumsatz x 100", in lila und schwarz auf weißem Hintergrund.

Datenquellen


CRM-System und Buchhaltung: Das CRM liefert die Information, ob es sich um einen Neu- oder Bestandskunden handelt. Die Umsatzzahlen kommen aus der Buchhaltung oder dem ERP.


Beispielrechnung


Ein Unternehmen erzielt im Jahr einen Gesamtumsatz von 1.500.000 Euro. Davon entfallen 1.050.000 Euro auf Projekte mit Bestandskunden.


Repeat Business Rate = 1.050.000 / 1.500.000 × 100 = 70 %


Eine Repeat Business Rate von 70 % und mehr gilt als gesundes Zeichen für eine stabile Kundenbasis. Liegt sie dauerhaft unter 50 %, ist das ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen stark auf Neuakquise angewiesen ist – mit entsprechend höherem CAC und größerer Umsatzvolatilität.


Project Pipeline Value


Der Pipeline Value ist das wichtigste Frühwarninstrument für Dienstleister. Er zeigt dir, was in den nächsten Monaten an Umsatz realistisch zu erwarten ist – und ob du heute schon gegensteuern musst.


Definition und Berechnung


Der Project Pipeline Value gibt den Gesamtwert aller Angebote an, die sich aktuell in der Vertriebspipeline befinden. Für eine aussagekräftige Betrachtung sollte er nach Abschlusswahrscheinlichkeit gewichtet werden – ein Angebot in der finalen Verhandlungsphase ist anders zu bewerten als ein erster Kontakt.

Textgrafik auf weißem Hintergrund: "Gewichteter Pipeline Value = Σ (Angebotswert x Abschlusswahrscheinlichkeit)" in blau und schwarz.

Datenquellen


CRM-System: Hier werden Angebote, Deals und deren Status gepflegt. Idealerweise sind Abschlusswahrscheinlichkeiten je Pipeline-Phase definiert – zum Beispiel Erstgespräch 10 %, Angebot abgegeben 30 %, finale Verhandlung 70 %.


Beispielrechnung


Die Pipeline eines Unternehmens enthält drei Angebote:


  • Projekt A: 80.000 € × 70 % = 56.000 €

  • Projekt B: 50.000 € × 30 % = 15.000 €

  • Projekt C: 120.000 € × 10 % = 12.000 €


Gewichteter Pipeline Value = 56.000 + 15.000 + 12.000 = 83.000 Euro


Der gewichtete Pipeline Value ermöglicht eine realistische Umsatzprognose und gibt frühzeitig Hinweise, ob neue Akquisemaßnahmen erforderlich sind.


Days Sales Outstanding (DSO)


Der DSO ist eine Kennzahl, die viele Dienstleister unterschätzen – bis es zu spät ist. Ein voller Auftragskalender schützt nicht vor Liquiditätsproblemen, wenn die Rechnungen zu spät bezahlt werden.


Definition und Berechnung


Der Days Sales Outstanding – auch Forderungslaufzeit genannt – misst, wie viele Tage es im Durchschnitt dauert, bis offene Rechnungen von Kunden bezahlt werden. Im Dienstleistungsgeschäft ist ein gesunder Cashflow besonders wichtig, da Personalkosten regelmäßig anfallen, Projektumsätze aber oft zeitverzögert eingehen.


Formel für DSO: Offene Forderungen geteilt durch Umsatz im Zeitraum, multipliziert mit Anzahl der Tage. Blauer Text, klarer Hintergrund.

Datenquellen


Buchhaltungssoftware: Offene Forderungen und fakturierter Umsatz werden dort vollständig erfasst. Wer seine Buchhaltung aktuell und sauber führt – oder führen lässt – hat hier immer den aktuellen Stand im Blick.


Beispielrechnung


Ein Unternehmen hat am Ende eines Quartals offene Forderungen von 150.000 Euro. Der Quartalsumsatz beträgt 450.000 Euro.


DSO = (150.000 / 450.000) × 90 = 30 Tage


Ein DSO von 30 Tagen gilt als gut. Liegt er dauerhaft über 60 Tagen, lohnt sich eine Überprüfung der Zahlungsbedingungen, der Mahnprozesse und ggf. der Kundenstruktur.


Fazit: Steuerung im Projektgeschäft braucht den richtigen KPI-Mix


Die acht Kennzahlen ergänzen sich gegenseitig: Utilization Rate und effektiver Stundensatz zeigen, wie effizient das Unternehmen seine Kapazitäten einsetzt. Project Margin und RPE machen die Profitabilität sichtbar. CAC und Repeat Business Rate geben Auskunft über die Effizienz der Kundenakquise und die Stabilität der Kundenbasis. Pipeline Value und DSO schließlich steuern Liquidität und Planungssicherheit. Damit diese KPIs belastbar sind, braucht es die richtige Datengrundlage: ein konsequent gepflegtes CRM, ein Zeiterfassungssystem mit Projektbuchung und eine Buchhaltung, die Kosten auf Projektebene abbilden kann


Genau dabei helfen wir bei summa. Wir helfen Dienstleistern und Projektgeschäften dabei, diese Grundlagen sauber aufzusetzen – von der Buchhaltungsstruktur über das Reporting bis hin zu einem zentralen Dashboard, das alle relevanten Kennzahlen auf einen Blick zeigt. Sprich uns gern an, wenn du wissen möchtest, wie das für dein Unternehmen aussehen könnte.

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